Monatsarchiv: April 2009

Pinguin in der Wüste

Manchmal fühlt man sich in seiner Umgebung einfach fehl am Platz. Ob im Bekanntenkreis, der Nachbarschaft, manchmal sogar der eigenen Familie und ganz häufig im beruflichen Umfeld. Manche Mitmenschen merken es gar nicht. Andere, die es sehr wohl merken oder zumindest fühlen, versuchen verzweifelt sich anzupassen, sich selbst zu verbiegen, manchmal bis hin zur Selbstaufgabe, in der Hoffnung von dem entsprechenden Umfeld akzeptiert und anerkannt zu werden und dadurch auch dazuzugehören.
Nun spricht meiner Meinung nach nichts gegen ein gesundes Maß an (Ver)biegen. Ich bringe da ganz gerne das Beispiel mit dem Baum im Sturm an: Wenn es zu sehr stürmt, haben Bäume die sich im Sturm biegen wesentlich bessere Selbsterhaltungschancen als Bäume, welche sich starr gegen den Wind stemmen. Letztere können bei zu starkem Sturm durchaus brechen. Wenn der Sturm vorbei ist, wird sich jeder ‚vernünftige’ Baum aber wieder aufrichten. In gebogener oder geduckter Haltung zu verharren hat außerhalb des Sturms keinen Sinn mehr, auch nicht präventiv für den Fall, daß irgendwann wieder ein neuer Sturm kommt. Menschen verhalten sich da leider oft konträr.

Zu den Anpassungsversuchen an die oft falsche Umgebung wurde ich neulich auf einen sehr interessanten Videobeitrag bei youtube hingewiesen. Dr. Eckart von Hirschhausen ist ein Kabarettist der besonderen Art: Seine Auftritte verbinden Kabarett mit Motivationstraining und Gruppentherapie, wie er an einer Stelle selber ironisch anmerkt. Hier nun seine Gutenachtgeschichte, die ich nur als ausgezeichnete Lebenshilfe bezeichnen kann:

Natürlich tauchten bei mir wieder weitere Fragen auf, nachdem ich das Video zum wiederholten Male gesehen habe:

Was, wenn der Pinguin gar nicht weiß, was sein Element ist?
Wenn er bisher nur die Wüste kannte, und sich gar nichts anderes vorstellen kann?
Ganz einfach: als Erstes muß er nur erkennen, daß die Wüste NICHT sein Element ist. Alles weitere folgt ganz von alleine. Und zu eben dieser essentiellen Erkenntnis kann und wird obiges Video verhelfen.

In diesem Sinne grüßt mein Pinguin jetzt euren Pinguin und wünscht euch viel Zeit in eurem Element.

Mephisto reloaded

Das Possenspiel um das Wandgemälde „Chemnitz – Stadt der Moderne” vom Künstler Benjamin Jahn Zschocke schlägt zur Zeit ganz schöne Wellen. Auf die einzelnen Taktiken und Strategien dieses neuen Kreuzzuges der PCR (Politische Korrektheit Religion) gegen Vernunft und Menschlichkeit werde ich hier nicht weiter eingehen, die betreffenden Informationen findet man u. a. bei „Deutschland kontrovers”, „Sezession”, und der „Jungen Freiheit”.

Es ist nur normal, daß solche Aktionen und Umtriebe nicht nur Konservative, sondern auch Libertäre in Aufruhr versetzen. Mir blieb beim Lesen der entsprechenden Beiträge auch erst mal die Spucke weg. Dann machte sich Wut in mir breit. Und dann schaltete sich irgendwann bei mir wieder einmal die wassermännische Logik ein, die mich an ein ganz interessantes Prinzip und einige diesbezüglich gemachte Erfahrungen erinnerte. Eine davon will ich mal kurz schildern, auch wenn sie mit der Sache an sich rein gar nichts zu tun hat, sehr wohl aber mit dem dahinterstehenden Prinzip, das ich mittlerweile sehe.

Bei einer meiner früheren Arbeitstellen, damals als Kurierfahrer, gab es nur eine einzige Möglichkeit für mich vor dem Institut, für das ich arbeitete zu parken: Behindertenparkplätze. Diese waren seinerzeit vom Institut speziell angefordert worden, damit nicht jeder X-Beliebige da einfach parken konnte, sondern nur Patienten mit einer Sondergenehmigung, die beim Institut ausgegeben wurde. Leider befanden sich die Parkplätze auf öffentlichem Grund. Ich als Fahrer der Abteilung hatte eine eigene Sondergenehmigung laut der ich 10 Minuten auf einem dieser Plätze parken durfte. Nun gehörte zu meinen Aufgaben aber nicht nur das Fahren, sondern auch viele andere Arbeiten innerhalb des Instituts, und so mußte ich eben notgedrungen oft länger dort parken. Das ging so lange gut, bis ein übereifriger städtischer Wegelagerer auf die Idee kam, neben meinem Auto stehend die Zeit zu stoppen und mir nach genau 11 Minuten einen Strafzettel zu verpassen. Erst habe ich ihn angesprochen, ihm die Situation zu erklären versucht, erst freundlich dann energisch, es hat alles nichts gebracht. Schließlich sind hierzulande die Menschen für die Gesetze da, und nicht die Gesetze für die Menschen. Vorschrift ist Vorschrift und 10 Minuten sind 10 Minuten, da kennt er nichts. Natürlich war ich stinksauer, aber da war nichts zu machen. Also begab ich mich zur städtischen Wegelagererzentrale, schilderte denen den Fall, sagte ihnen, daß ich mehr Parkzeit benötige, sie dürften gerne die Ärzte der Abteilung fragen, und erhielt eine Erweiterung der Genehmigung auf 30 Minuten.

Und was soll das Ganze jetzt? Das Prinzip, das ich meine?
Das Mephisto-Prinzip: “Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft.” (Goethe, Faust 1)
Dieses Prinzip tritt öfter in Erscheinung, als man denkt. Man muß es nur sehen können.
So wie bei mir in oben geschildertem Fall, so wirkt es vermutlich auch in dem Fall des Chemnitzer Wandgemäldes. Mittlerweile wurde es zwar zerstört und übermalt. Es ist wirklich schade um dieses wunderschöne Bild und ich finde das durchaus traurig. Aber sehen wir uns mal die andere Seite der Medaille an: Der Künstler ist dadurch – nicht durch das Gemälde, sondern durch die politisch korrekte Posse darum – weit über die Grenzen seines bisherigen Wirkungskreises bekannt geworden. Seien wir doch mal ehrlich: Wäre er ohne das hinterhältige Vernichten seines Gemäldes jemals bei Deutschland kontrovers, Sezession, der Jungen Freiheit und vielen mehr erwähnt worden? Wie viele Menschen haben erst dadurch überhaupt von ihm gehört?

So wünsche ich dem Künstler auf diesem Wege, daß das Mephisto-Prinzip ihn für den Verlust des Gemäldes und die ihm zuteil gewordene Ungerechtigkeit vielfach entschädigen möge.

Ostertrauma

Endlich ist der Frühling jetzt auch fühl- und sichtbar hier. Ist ja langsam auch Zeit, Winter hatten wir dieses Jahr doch wirklich genug, oder? Ein klarer Beweis für die Macht des Wortes. In wenigen Jahren hat unser sprechender Hosenanzug samt seinen Anhängern es durch fortwährende Wiederholung des Jammerns und Anschreiens über und gegen die „globale Erwärmung”  doch tatsächlich geschafft, das Klima zu beeindrucken und einzuschüchtern. Diesen Winter wedelte das arme Klima also mit der weißen Fahne, die mangels Stoff in Flocken vom Himmel fiel.

Wenn ich mich ein Jahr zurück erinnere, fällt mir ein daß der vorherige Winter eigentlich kein richtiger Winter war, dafür aber dann punktgenau zu Ostern hereinbrach. Das sah dann so aus:

ostern08 ostern08b

Anscheinend haben einige Leute dadurch ein nachhaltiges Trauma erlitten, welches sich, gepaart mit dem Wunsch, sich allen Eventualitäten anzupassen, folgendermaßen äußert:

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Mal sehen, ob das Osterhäschen sich entsprechend anpaßt und dieses Jahr mit roter Mütze anhoppelt.