Droelf

Und einmal in 4 Jahren …

2009/10/03 · Kommentar schreiben

nun ist es wieder vollbracht. Die Stimmen sind abgegeben, wir haben nichts mehr zu sagen. Wie denn auch ohne Stimme? Wer keine Stimme mehr hat, wird eben nicht gehört. So einfach ist das. Also, ab an die Melkmaschine und das Heu gefressen, daß uns großzügigerweise vorgeworfen wird. Ziegen dürfen dabei gerne meckern, Rindviecher muhen. Es spielt keine Rolle.

Ich für meinen Teil nehme diesen alle vier Jahre vorkommenden Ausbruch an Demokratie mal zum Anlaß, über selbige zu schreiben.
Wie wir ja alle von klein auf gelernt haben, leben wir in einer Demokratie. Was Demokratie bedeutet, haben wir auch irgendwann mal gelernt: Das Volk regiert, oder die Macht geht vom Volke aus. Klingt doch toll, oder? Das Volk entscheidet, was mit ihm geschieht. Auch daß Demokratie das bestmöglichste Regierungssystem ist, wurde uns eingebläut. Nicht etwa im Religionsunterricht, wo Glaubensfragen eigentlich hingehören – und um genau so eine Glaubensfrage handelt es sich hierbei – sondern in Sozialkunde, Geschichte und weiteren Fächern. Eine reine Glaubensfrage, eine Weltanschauung wurde uns als feststehendes Faktum, als unumstößliche Tatsache verkauft. Sei’s drum, wer es oft genug brav repetiert hat, wurde dann auch mit einem entsprechenden Abschluß belohnt. Hinterfragen oder gar Zweifeln unerwünscht.

Lassen wir mal einfach diese Glaubensfrage außen vor, ob Demokratie nun gut ist oder nicht und widmen uns der Demokratie an sich. Wenn nun wirklich das Volk bestimmt, wo’s langgeht, wofür brauchen wir eigentlich Politiker? Um zu bestimmen, wo’s lang geht natürlich. In den meisten Fällen gegen den Willen des Volkes. Aber wie soll das denn gehen, wenn doch per definitionem die Macht vom Volke ausgeht? Ganz einfach: Mann verpaßt dem ganzen falschen Spiel einfach einen schicken Namen, in dem natürlich der geheiligte Begriff „Demokratie“ beinhaltet ist: Die parlamentarische Demokratie. Und weil es so schön klingt, und der Hauptbegriff ja darin enthalten ist, bringt man den armen kleinen Untertanen-Würstchen jetzt von klein auf bei, daß eben die parlamentarische Demokratie die bestmöglichste Regierungsform ist. Friß oder stirb.

Im Klartext bedeutet diese parlamentarische Demokratie, daß man als Würstchen jemanden wählt, der für einen die Entscheidungen trifft. Man selber wäre ja hoffnungslos damit überfordert, wirklich für alle wichtigen Bereiche selber eigene Entscheidungen zu treffen und auch dazu zu stehen. Das war zwar nicht immer so, aber es läßt sich antrainieren. Man muß nur früh genug damit beginnen. Dafür haben wir Schulen und eine entsprechende Schulpflicht. Nicht, daß am Ende noch jemand wirklich mündig wird. Es reicht völlig, wenn man entscheidet, wer für einen entscheiden soll,  wenn man also seinen eigenen Vormund wählt, weil man ja selber unmündig ist und es auch bleiben wird muß. Frei wählen darf man diesen Vormund auch nicht, vielmehr muß man aus einer Liste mit vorgegebenen Personen eine herauspicken, die dann der Vormund wird. Um uns Würstchen die Illusion einer wirklich freien Entscheidung aufrecht zu erhalten, dürfen wir alle 4 Jahre einmal eine Person aus dieser Liste als Vormund auswählen. Daran wäre an sich ja auch nichts auszusetzen. Jeder Mensch hat schließlich das Recht einen Führer oder eben Vormund für sich selber zu wählen.

Was für freie und mündige Menschen aber völlig unverständlich sein müßte, ist die Tatsache, daß einige Menschen für andere Menschen gegen deren Willen Führer bestimmen. Aus libertärer Sicht absolut untragbar. Und genau das tut man bei der Wahl einer Regierung. Man bestimmt, wer in den nächsten Jahren anderen Menschen vorschreiben soll, was die zu tun und zu lassen haben.

Um dem „I“ nun noch sein berühmtes Tüpfelchen aufzusetzen und für alle demokratiegläubigen Würstchen, die das immer noch toll finden, weil ja immerhin die Mehrheit bestimmt, wer regiert und die Minderheit sich dem eben beugen muß, hier mal ein paar knallharte Zahlen zu der berüchtigten Mehrheit, die voraussichtlich für die nächsten 4 Jahre die Regierung bilden wird.

Bei der letzten Bundestagswahl hatten wir hier in Deutschland 62.132.442 Wahlberechtigte.

Davon haben gerade mal 70,8 % gewählt.
Von diesen wiederum haben 1,7 % ihre Wahlzettel ungültig gemacht. Ob aus Unwissen oder mit Absicht sei mal dahin gestellt.

Bleiben unter dem Strich 69,1 % der wahlberechtigten Bürger, die wirklich ihre Stimme abgegeben haben. Unten in der Tabelle seht ihr in der linken Spalte die offiziellen Zahlen, in der rechten Spalte die tatsächlichen Prozent der Wahlberechtigten:

Partei Stimmen in % reale Stimmen in %

33,8

CDU
27,3 18,9
CSU 6,5 4,5
SPD 23 15,9
FDP 14,6 10,1
LINKE 11,9 8,2
GRÜNE 10,7 7,4
Sonstige 6,0 4,1
Regierung
CDU + CSU + FDP
48,4 33,4

Die zukünftige Regierung wurde also nicht, wie immer wieder fälschlicherweise behauptet, von der Mehrheit, sondern gerade mal von einem Drittel der wahlberechtigten Bürger dieses Landes gewählt. Ein Drittel der Bevölkerung bestimmt also nach den heutigen Spielregeln, wer sie und auch die restlichen zwei Drittel des Volkes regieren soll.
Vielleicht denkt mal der eine oder andere noch einmal über das indoktrinierte Schulwissen über die Demokratie und vor allem die parlamentarische Demokratie nach.

Mag sein, daß der Standpunkt „man muß sich dem Diktat der Mehrheit beugen“ für manche Menschen vertretbar ist.
Wie ist es aber mit der Realität: „man muß sich dem Diktat einer Minderheit von einem Drittel beugen“?

Nennen wir das Kind doch einfach mal beim Namen: Wenn eine Minderheit über die Mehrheit herrscht, ist das keine Demokratie mehr, dann ist es eine Diktatur.
In diesem unseren Lande ist es eine theokratische Diktatur. Und ob das wirklich die beste Regierungsform aller Zeiten ist, nun ja, das möge jeder für sich entscheiden.

Zum Schluß noch eine Definition für die Demokratie selber:
Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen.

In good old germany stimmen drei Wölfe in einem Stall mit sechs Schafen über die nächste Mahlzeit ab und erklären den Schafen anschließend, es sei ihr eigener Wille gewesen. Schließlich durften sie während der Abstimmung ja blöken, und sie haben klar, deutlich und unmißverständlich „määäh“ gesagt.

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„Bratze an Bord“ und Fischtransport

2009/08/26 · Kommentar schreiben

Die Werbung macht es vor – und (fast) alle machen es nach. Kraftfahrzeuge sind wichtige Werbeträger. Werden sie doch immer und von vielen Leuten gesehen. Was Firmen auf ihrem Firmenwagen können, kann man als Privatperson doch schon lange, oder? Werbung machen. Wofür? Nun ja …. in Ermangelung wichtiger Werbebotschaften und weil man Sinn und Zweck der Werbung nicht verstanden hat, geht man eben mit seinen ganz persönlichen Privatangelegenheiten an die Öffentlichkeit. Die muß schließlich darauf hingewiesen werden. Natürlich nur, wenn diese ganz persönlichen Privatangelegenheiten gesellschaftlich mehrheitlich anerkannt sind. So ist zum Beispiel der eigene Glaube eine Angelegenheit, die jeden, aber auch wirklich jeden interessiert: bei Christen zumindest. Schon mal jemandem aufgefallen, wie viele Fischlein heutzutage auf unseren Straßen unterwegs sind? Es gibt sie in bunt, in allen möglichen Farben, mit Beschriftung oder ohne.

glaubenchristlich

Wer nun in Anlehnung an Beschriftungen a la „Eilige Arzneimittel“ oder „Kurierdienst Hanswurst“ auf Firmenfahrzeugen schließt, es handele sich hierbei um einen Hinweis auf „gekühlten Fischtransport“ oder ähnliches, liegt damit nicht ganz richtig. Gleiches gilt für die Annahme, der Fisch am Heck weist auf ein Amphibienfahrzeug hin: auch nicht ganz. Auch wenn „Biodiesel“ und „Erdgasauto“ den Gedanken nahe legen. Handelt es sich dabei um einen „Fischkopp“, also jemanden aus Norddeutschland? Knapp daneben. wie uns das zugehörige Kennzeichen des Autos oft verrät. Nein, es handelt sich bei den schuppigen Fahrzeugdekorationen schlicht und ergreifend um einen Hinweis, daß der Fahrer des Autos ein Christ ist. Wieso ist das nun so wichtig zu wissen? Was sagt uns das?
Besondere Nächstenliebe und rücksichtsvolle Fahrweise? Konnte ich bisher nicht wirklich feststellen.
Missionarischer Eifer, den man nun mit geklebten Werbebotschaften auslebt, weil man im Gespräch nicht genug ernst genommen wird? Schon eher möglich.
Am wahrscheinlichsten erscheint mir jedoch der Gedanke, daß man sich im allferientlichen Urlaubsstau so als Christ gleich gegenseitig erkennt und somit eine gemeinsame Gesprächsbasis zum gemeinsamen Stauzeitvertreib hat.
Wieso findet diese wunderbare Idee eigentlich nicht schon längst Nachahmer in anderen Religionen? Erstens würden sich auch in anderen Glaubenssystemen Gleichgesinnte leichter erkennen,  zweitens würden sie von Andersgläubigen nicht belästigt. Oder werden sie es dann gerade? Auf Grund missionarischen Eifers? Ja, vermutlich werden sich gerade Angehörige kleinerer, nicht-missionarischer Glaubensrichtungen genau deswegen hüten, die Symbole ihres Glaubens an das Heck ihres Autos zu kleben. Auch wenn es eine gewaltige Bereicherung der bereits vorhandenen Reizüberflutung wäre.

glaubenalternativ

Vielleicht sollte ich mal einen Selbstversuch starten: einen FSM-Aufkleber anbringen und schauen, was passiert. Vermutlich gar nichts. Denn der heutige Mensch wird dermaßen von allen Seiten mit wertlosen Werbebotschaften zugemüllt, daß er mittlerweile 80 % davon ausfiltert und dadurch gar nicht erst registriert. Ausfiltern muß, um nicht verrückt zu werden. Und im allferientlichen Urlaubsstau, in dem man aus lauter Langeweile spätestens nach der zweiten Stunde die Aufkleber auf den Autos seiner Mitleidenden zu registrieren und interpretieren beginnt, bin ich nicht anzutreffen.

Ein weites, unheimlich wichtiges Detail des eigenen Lebens, das alle Mitmenschen dringend etwas anzugehen hat, sind die Namen der eigenen Bratzen. Ja, wirklich. Wenn Mensch heute Kinder hat, dann muß er unbedingt allen durch Aufkleber mitteilen, wie diese heißen. Wieso? Keine Ahnung. Auch da kann ich nur spekulieren.
Also, erstens ist es ein deutliches Signal, daß man überhaupt Kinder hat: „Guck mal, hier, ich erhalte die Gesellschaft, bewahre uns alle vor dem Aussterben und außerdem sichere ich auch noch die Renten! Bewundert mich! Huldigt mir!“
Zweitens ist es für alle werdenden Eltern eine großartige Hilfe bei der Namensfindung für den eigenen Nachwuchs. In Zeiten von Internet und Google wirklich sehr hilfreich. Sonst könnte sich ja jemand für die eigenen Kinder Namen aussuchen, die überhaupt nicht dem gerade aktuellen Trend entsprechen. Geht gar nicht!
Ein weiteres Motiv ist in diesen Zeiten der „Kinder dürfen ALLES“-Gesellschaft mit Sicherheit auch ein größtmögliches Maß an Narrenfreiheit. Da Kinder ja alles und das immer dürfen, muß das natürlich logischerweise auch für die Fahrer der Autos gelten, in denen Kinder sitzen. Oder theoretisch sitzen könnten. So genau wollen wir es mal nicht nehmen.
Das ist in sehr vielen Fällen in der Praxis an Fahrstil und Verhalten im Straßenverkehr deutlich zu bemerken.

bratze

Auch legitimiert ein solcher Bratzennamensaufkleber in den meisten Fällen das Parken des Fahrzeugs an total beliebigen Stellen. Ob Behindertenparkplatz, Feuerwehrzufahrt, in zweiter Reihe, alles ist da erlaubt.Klar, machen auch die Anderen. Aber wenn denn mal doch ein Knöllchenverteiler kommt, überlegt er es sich vielleicht zweimal, ob er ein Ticket ausstellt. Und wenn er eines ausstellt, dann war man doch gerade mit dem Zwerg beim Kinderarzt, oder mußte dringend Medikamente für Zwerg aus der Apotheke holen, oder was auch immer. Die Namensaufkleber am Heck machen die blödesten Ausreden glaubhaft. Klappt sicher nicht immer – aber immer öfter.
Wieso beschränkt sich die Eigenwebung eigentlich größtenteils auf diese beiden Bereiche? Mit Ausnahme solch sinnvoller Botschaften wie „Ich bremse auch für schwarze Mülltüten“ oder Fußballvereinsfanaufkleber.
Es gibt doch noch so viel mitzuteilen, was mindestens genau so wichtig ist, oder? Die politische Einstellung etwa.
Oder der Beruf. Der ist ja sowieso heutzutage das Wichtigste, was man von seinen Mitmenschen wissen muß. Bei jedem sich gerade erst entwickelnden Gespräch mit einem bisher noch Unbekannten kommt von diesem immer schon nach wenigen Sätzen, ganz kurz nach der Namensnennung das obligate: „Und was machst du so beruflich?“ Das ist ganz essentiell zum Finden der passenden Schublade in die das Gegenüber eingeordnet gehört. Daß es auch noch Menschen gibt, die völlig anders sind, als der durchschnittliche Berufsausüber der zugehörigen Branche, daß es Menschen gibt, die sich nur sehr wenig oder gar nicht mit ihrem Beruf identifizieren, ist vor allem in der heutigen Zeit natürlich mit Sicherheit ein Gerücht.
Also, her mit den Berufsaufklebern, die Umwelt will informiert sein. Man kann sich dafür sicher auch lustige und treffende Symbole ausdenken (Arbeitslose haben ja bereits eines, das große rote „A“, das jeder kennt und viele fürchten) oder einfach nur einen neckischen Schriftzug mit der Berufbezeichnung. Bitte den „Manager“ dabei nicht vergessen. Heute ist ja jeder ein Manager: Ob nun Facility-Manager, Office-Manager, oder Distribution-Manager, Manager human ressources (eines meiner Lieblingsworte auf der Skala der Menschenverachtung) oder vielleicht sogar „wood-manager“, „Wischmop-Managerin“, „Education-Manager“, Breeding-Managerin“, hier ist Kreativität gefragt.
Und dann wären da natürlich noch Hobbys außerhalb der Vereinszugehörigkeit (Stöckchenträger, Stammtischkartler, Briefmarkensammler) sowie Adressen der privaten website, des blogs, facebook, Lokalisten, SonstwasVZ. Sicher alles Bereiche, die unsere Mitmenschen genau so interessieren, wie unsere Religionszugehörigkeit und der Name der Kinder. Wenn schon, dann bitte richtig.

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Verschnitzt noch mal

2009/08/25 · Kommentar schreiben

Ja, ich weiß: es ist Wahlkampfzeit. Und das heißt mal wieder, mit den dümmsten schrägsten Slogans auf Stimmenfang zu gehen. Denken war früher. Und offensichtlich verlassen sich unsere Polit-Leuchten mittlerweile auch voll und ganz auf die Dummheit ihres Stimmviehs.

wahlplakat

Eine der besten Anregungen dazu fand ich neulich bei unseren Grünschnäbelen: „Bäume statt Papier“ … wow. Welche Erleuchtung. Dabei stolperte ich über die Frage, ob sich dieser Ansatz aufgrund seiner Kürze überhaupt in seiner ganzen Tragweite für Michel und Erna erschließt.

Nehmen wir doch nur einmal den konkreten Fall eines der vielen Menschen, der sich zur Zeit auf Jobsuche befindet. Gut, abgesehen von eventuell eingeschränkten räumlichen Gegebenheiten und Kostenfaktor, hat dieser Ansatz so unheimlich viele Vorteile.

Da ist zum einen der Aspekt des Besonderen an der Bewerbung. Die soll doch möglichst individuell sein und sich von anderen abheben. Außerdem kann es nicht schaden, wenn der potentielle zukünftige Arbeitgeber sieht, daß man sich mit der an ihn gerichteten Bewerbung auch wirklich Mühe gegeben hat, Zeit und Arbeit darin investiert hat.

Zweitens haben wir dam einen tollen Ansatz gegen die Langeweile, unter der ja nach landläufiger Meinung alle Arbeitscheuen Arbeitssuchenden leiden. Wer schnitzt, kommt nicht auf dumme Gedanken.

Zum Dritten ist das Schnitzen eine der Tätigkeiten, bei der sich recht leicht eine besondere Form des Glücks, der sogenannte Flow einstellt.

Und natürlich nicht zu vergessen: wenn man nur genügend Bewerbungen schnitzt, statt einfach nur an einem Computer tippt (meistens nur partiell abändert – Das ist beim Schnitzen nicht mehr möglich), hat man ein weiteres, zukünftig wenn dieses Konzept in Mode kommt, sehr gefragtes Handwerk gelernt, in dem man nun seine Dienste anbieten kann.

Alles in Allem also ein wunderbarer Ansatz.

Ein Zurücksenden der Bewerbungsunterlagen entfällt komplett (tut es ja heute schon in 70 % der Fälle aus Faulheit oder Ignoranz), da diese ja nun sehr individuell und daher nicht wiederverwendbar sind. Dafür hat der zukünftige potentielle Arbeitgeber immer genug Holz zum Heizen zur Verfügung. Falls er sehr nett ist und bereits genug Holz gesammelt hat, oder seine Lagerkapazitäten dafür erschöpft sind, kann er sie ja trotzdem zurücksenden. Dann hätte der Bewerber ebenfalls Heizholz zur Verfügung.

Ein paar kleine logistische Probleme müßten freilich noch geregelt werden, vom Transport über den Arbeitsplatz zum Schnitzen hin zu der Lagerung. Aber das sollte unseren Grünen nicht weiter schwer fallen.

holztrans2holztrans1Das war eben nur ein kleines Beispiel. Um wie viel größer wird das Spektrum, wenn wir an die Ansichtskarte, die Glückwunschkarte zu Geburtstag, Weihnachten, Ostern, etc., den Liebesbrief und vieles mehr denken.

Gut, vieles wird heute ja auch nur noch rein elektronisch übermittelt, vielleicht wird es dann noch mehr. Aber sicher bleiben einige wenige Menschen, die die persönliche Art des Schreibens (neuerdings Schnitzens) bevorzugen.

Wo wir schon mal bei elektronischer Datenvermittlung und Speicherung sind: Wie lange müssen mancherorts Dokumente und Formulare ausgedruckt (also auf Papier) und säuberlich in Ordner abgeheftet, aufgehoben werden? Zeugnisse? Patientenakten? Rechnungen?
Hier tut sich gerade ein riesig großer, neuer Industriezweig auf:  Zur Erstellung, Transport, Lagerung und was weiß ich was alles noch.

schreibtisch

„Bäume statt Papier“ … Ja, eine tolle Idee. Aus der Krise hilft nur Grün. Gut, viel Grün wird es dann bald nicht mehr geben, wenn jeder gleich ganze Bäume beschnitzt statt Papier zu beschreiben / bedrucken. Außer politisch natürlich. Aber wir wollen ja mal nicht so kleinlich sein, oder?

Back to the roots … aber nicht altmodisch in Stein meißeln, sondern innovativ und modern in Bäume schnitzen. Entschleunigen wir also endlich mal unsere schnelllebige Zeit.

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Noch mal davongekommen

2009/08/12 · Kommentar schreiben

Es gibt Situationen im Leben, da lernt man wieder etwas Demut. War vermutlich nötig. Letzten Samstag haben mein Schatzi und ich sehr kanpp einen schweren Autounfall unverletzt überlebt. Alle Beteiligten und auch die später dazu gekommene Polizei sind der Meinung, daß das ein Wunder ist.
Nun ist es so, daß jeder, der mein blog liest, gerne meinen Senf dazu lesen darf.
Andererseits möchte ich nicht, daß jeder, der meinen Senf  zu dem Unfall lesen soll / darf, auch mein blog kennt. Darum habe ich die Bilder und die Beschreibung darüber auf einer anderen website eingestellt.
Für alle, die es interessiert, hier ist der link.

Ja, es gibt mich noch, und ich weiß jetzt, daß ich durchaus auch noch eine Existenzberechtigung im Hier und Jetzt habe. Manchmal werden diesbezügliche Fragen ganz schön krass beantwortet. Wieder einmal muß ich an den Spruch denken: „Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen“
Abgewandelt also in etwa: „Sei vorsichtig mit deinen Fragen, sie könnten beantwortet werden“

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Genauigkeit

2009/07/23 · Kommentar schreiben

… ist ja eine feine Sache. Vor allem bei Inhaltsangaben und bei Preisen. Ein Musterbeispiel an Genauigkeit im Preisbereich lief mir neulich über den Weg:

rillos2Also, 10 5/17 cent pro Cigarillo. Sehr schön.
Das hier ist ein Cent: cent, und das da 5/17 davon 517cent

Und somit sieht der Wert eines solchen Cigarillos folgendermaßen aus:

10517centSo, das mußte mal geschrieben werden. Das Spielkind in mir hatte Langeweile.

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Verbrecherkinder

2009/07/21 · Kommentar schreiben

Kiel/Wahlstedt (dpa) – Die brutale Misshandlung eines 13-Jährigen während einer Klassenfahrt wird vermutlich keine rechtlichen Konsequenzen haben. Der gleichaltrige Beschuldigte ist noch nicht strafmündig.

Mal wieder einer dieser Fälle, die Menschen wie mich fast sprachlos machen.
Laut einem Artikel in der Zeit online wurde ein 13-jähriger Schüler auf einer Klassenfahrt von einem gleichaltrigen Mitschüler mißhandelt. Genauer gesagt „mit einem Holzstab vergewaltigt“. Umringt von den Klassenkammeraden.

Aber da der Täter erst 13 ist und somit nicht strafmündig, darf er das ja und es wird nicht einmal weiter ermittelt.
Wie kann es denn sein, daß jemand, der durchaus fähig und in der Lage ist, brutalste Straftaten zu begehen, per definitionem in unserem Gutmenschen-Staat nicht strafmündig ist? Meiner Meinung nach kann das Alter niemals ein Argument für Straf(un)mündigkeit sein. Wer Verbrechen begehen kann und es tut, der ist durchaus in der Lage auch die Konsequenzen zu tragen. Eine bewußte Vergewaltigung eines Mitschülers mit einem Holzstab mit dem Argument „es sind doch nur Kinder“ abzutun, überschreitet bei Weitem die Grenze meines Verständnisses. Nur weil man die Tat mit Worten wie

Offensichtlich hätten die Schüler «grobe Scherze» gemacht, die dann «in Handgreiflichkeiten» eskaliert seien.

verharmlost, wird sie nicht harmloser.

Weiter lese ich, daß der Täter vorher bereits „mehrfach wegen Übergriffen auffiel“. Warum nimmt man so jemanden denn überhaupt mit auf eine Klassenfahrt? Auch das wird sehr kompetent von der Schulrätin beantwortet:

Die Kinder «sollen ja integriert werden. Die Lehrerin hat sich das zugetraut».

Integriert, soso. Natürlich, das Totschlägerargument überhaupt. Unter dem Deckmäntelchen der Integration ist alles möglich und auch erlaubt. Außerdem sagt mir dieses eine kleine Wörtchen auch genug über den kulturellen Hintergrund des Täters, der natürlich ansonsten nirgendwo im Artikel erwähnt wird. Wer Gutmenschensprech kennt, der kann (und muß) eben seine Informationen zwischen den Zeilen und Worten herauspicken.
Was den Hintergrund des Opfers betrifft, auch den glaube ich zwischen den Zeilen erkennen zu können: Die Mutter sieht eine «grobe Verletzung der Aufsichts- und Sorgfaltspflicht» und erstattet Anzeige deswegen.
Noch Fragen?

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Hilfe kann weh tun

2009/07/15 · Kommentar schreiben

Wieso meinen eigentlich so viele andere – unter anderem Fremde, die mich überhaupt nicht kennen – Menschen wesentlich besser als ich selber zu wissen, was gut für MICH ist?

Wie bereits geschildert passe ich nicht in das Raster, in dem es sich die Masse so bequem einrichtet. Ich bin geistig zu beweglich für starre, steife, festgefahrene Das-macht-man-so-Strukturen. Es ist wie mit einem zu großen Stöpsel in einer zu kleinen Flasche: man bekommt ihn nicht rein. Sicher, man kann es mit Gewalt versuchen, aber selbst wenn man ihn mit Gewalt hineinbekommt: entweder die Flasche wird zerspringen, oder der Stöpsel zerbröselt, oder er schießt eben wieder raus. Drin bleiben und es sich bequem machen wird er mit Sicherheit nicht.

Und trotzdem versuchen es immer wieder irgendwelche Leutchen. Natürlich meinen sie es nur gut- mit sich selbst, aber Letzteres muß man ja nicht dazusagen.
Und so werde ich unter Androhung oder Anwendung von sogenannten Sanktionen immer wieder gezwungen, angebliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, die ich selber gar nicht will oder brauche. Die daraus besteht, zu versuchen, mich in dieses wesentlich zu enge Raster zu quetschen.

Ich habe Schuhgröße 43 (wolltet ihr sicher immer schon mal wissen, gelle?) Und selbst 43-er Schuhe passen mir nicht alle. Wo bitte liegt jetzt der Sinn darin, mir zu „helfen“ Schuhe der Größe 41 zu finden? Und mich dann zu zwingen, vor Dankbarkeit strahlend diese anzuziehen?
„Die passen mir nicht, ich habe Größe 43“
“43-er gibt es aber zur Zeit nicht. Stell dich nicht so an, zieh sie an. Irgendwie geht das schon. Nun mach!“
- versuche es – geht nicht. „Geht nicht, ich komme nicht rein“
“Das muß aber gehen. Wenn es so nicht geht, dann müssen wir eben etwas von Zehen oder Ferse abschneiden. Reinpassen tust du. So oder so.“

Also Zähne zusammengebissen und mit aller mir möglichen Anstrengung rein. Ja, es tut weh. Es tut tierisch weh. Aber Zehen oder Ferse abschneiden tut mindestens genau so weh. Und die Verstümmelung behalte ich lebenslänglich. Ihr habt gewonnen. Nur das dankbare Grinsen fällt ein wenig zu verzerrt aus.
Wirklich eine großartige Hilfe. Mehr darf ich nicht sagen, sonst kommt doch noch das Messer dran. Aber schreiben darf ich auch Anderes, hier in meinem blog.
Mit den viel zu engen Schuhen kann ich nicht mehr laufen, nicht einmal richtig gehen, nur noch mich irgendwie vorwärts schleppen. Wie die Fledermäuse in „meinem“ Mäusestaat.
Trotzdem habe ich auch beim vorwärts schleppen ständig Schmerzen.
Wenn ich es zu lange mache, werden sich meine Füße irgendwann total deformieren (ich weiß, das ist heutzutage „in“, aber diejenigen die es tun, tun es freiwillig. Ich stehe da nicht drauf.)
Und mit Sicherheit werde ich so schnell wie nur möglich versuchen, diese Schuhe los zu werden. Blöd nur, wenn man in einem riesigen Scherbenhaufen steht, dessen Ende nicht abzusehen ist. Zur Zeit wäge ich ab, welche Schmerzen schlimmer sind: die durch die viel zu engen Schuhe, oder jene beim Barfußlaufen über Scherben. Ich weiß es nicht.
Passende Schuhe gibt es nicht.
Weicher Boden kommt vielleicht irgendwann, ich weiß aber nicht wann und in welche Richtung ich dafür am Besten gehen sollte.

Gut, ich weiß, ich beherrsche auch das laterale Denken. Und besagt nicht ein bekannter Spruch: „Was nicht paßt, wird passend gemacht“?
Also brauche ich nur ein Messer oder einen ähnlichen scharfen Gegenstand, dann kann ich mir die Schuhe schon passend machen. Oh, sieh einer an: Wo stehe ich? In einem Scherbenhaufen? Und rein zufällig sind viele dieser Scherben spitz und scharf. Na, wer sagt’s denn? :-)
Die gut meinenden Schuh-Reinzwinger werden mit Sicherheit nicht begeistert sein, aber das müssen sie auch nicht. Ich weiß, für sie bin ich undankbar, nichtsnutzig, zerstöre wertvolle Güter, mache mich der Sachbeschädigung strafbar (wen interessiert es schon, daß es nun meine Sachen sind?) und laufe dann wieder rum wie der „letzte Penner“ mit kaputten Schuhen. Sie haben es doch nur gut gemeint. Und sie werden niemals verstehen, daß es nur ein Akt des Selbstschutzes gepaart mit einer kleinen Dosis lateralen Denkens war, der mich zum Zerschneiden der wunderschönen, neuen aber viel zu engen Schuhe getrieben hat. Damit muß ich wohl leben. Sie können mir ja wieder ein neues Paar verpassen; Scherben liegen hier noch genug rum. Ja, ich bin undankbar und unverständig. Und stolz drauf.
Ratschläge sind auch Schläge.
Ich bin nicht da um die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen. Und sie sind nicht da, um meine Erwartungen zu erfüllen. Sollen sie auch nicht. Wenn sie es nicht können oder wollen, sollen sie mich einfach nur in Ruhe lassen.

Sicher kennt ihr das Märchen vom häßlichen jungen Entlein. Wie würde sich dieses Märchen anhören (oder anfühlen), wenn die anderen Entlein in der Jugendzeit, als dem Schwan seine schönen weißen Federn wuchsen, versucht hätten ihm diese immer wieder auszureißen, um ihn zu einer Ente zu machen. Jede weiße Feder die kommt wird herausgerissen, in der Hoffnung, die nächste wird eine Entenfeder. Er würde nie ein Schwan werden, das stimmt. Aber mit Sicherheit auch keine Ente. Er wäre ein Nichts, ein Nacktvogel ohne Identität und ohne Gleichartige. Er könnte nicht einmal herausfinden, was er hätte werden sollen. Nur Leid und Schmerz, hervorgerufen von gutmeinenden Anderen. Nein, so möchte ich das Märchen nicht hören.

So, das mußte dringend mal raus. Nach einer weiteren schlaflosen Nacht in der mein Kopf-Karussell dauerrotiert ist. Zwischen Depressionen, ohnmächtiger Wut und amoklaufenden Gedanken. Heute geht’s dann wieder zum Schuh-Anprobieren. Größe 41. Andere haben wir ja zur Zeit nicht.

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Das Sytem (die Matrix)

2009/07/10 · Kommentar schreiben

Wie ja bereits in einem früheren post geschrieben, habe ich zur Zeit Zeit: viel Zeit. Und das in Zusammenhang mit einem sehr aktiven Gehirn bedeutet: viele Gedanken kommen und gehen, verweilen, lassen sich betrachten, drehen, von verschiedenen Seiten beleuchten, verschwimmen und werden wieder klar. Aufhalten lassen sie sich nicht.
Viel Zeit bedeutet auch viel Frei-Zeit. Im Sommer zieht’s mich immer raus. Zu Hause alleine am Computer sitzen fällt schwer. Also raus und ab in die Stadt: in der Fußgängerzone auf- und abbummeln, irgendwo auf nem netten Bänkchen rumsitzen oder in einem Straßencafe. Lesen, Leute beobachten und die Gedanken spielen lassen.

Was ich dabei sehe und beobachte, läuft immer wieder auf das Selbe hinaus: Hunderte – im Laufe eines Tages Tausende – Roboter die ihren Programmen folgen und Marionetten die sich an ihren unsichtbaren Seilen bewegen. Die Menschen, die ich sehe, sind zwar alle in Aussehen und Kleidung unterschiedlich und trotzdem sind sie irgendwie gleich – gleich geschaltet. Es ist wie eine Straße mit Reihenhäusern, die zwar unterschiedlich bemalte Fassaden haben, deren Beete im Vorgarten unterschiedlich bepflanzt sind und trotzdem ist bei genauerem Hinsehen die Bauweise gleich. Ja, selbst der Inhalt der Beete ist gleich, nur unterschiedlich angeordnet. Und falls man gelegentlich die Möglichkeit erhält in das eine oder andere Haus hinein zu sehen, stellt man mit Erschrecken fest, daß auch Einrichtung und Inventar überwiegend identisch sind. Verschiedene Farben, verschiedene Anordnung, aber gleicher Inhalt.
Ein weiterer Punkt, der mich dabei anspringt ist: Ich passe hier nicht rein, gehöre nicht dazu, bin erschreckend anders. Immer wieder frage ich mich: was ist mit diesen Menschen los? Was genau stimmt nicht mit ihnen?
Die Antwort ist so einfach wie klar: Mit den Menschen ist alles in bester Ordnung. Sie sind NORMAL,  genormt,  DIN-A-0815, an ein Raster angepaßt. An eine Matrix gewissermaßen.
Oh, wirklich schöne Überleitung. Die Matrix: der Film, der mich von allen Filmen, die ich in meinem bisherigen Leben gesehen habe, am meisten beeindruckt hat. Die Antwort auf meine Fragen nach dem Verhalten der Menschheit im Hier und Jetzt. Natürlich nicht im buchstäblichen Sinn. Die Menschen sind wohl kaum als etwas zu groß geratenen Batterien an ein System gekoppelt, das uns das Leben als Film vor dem geistigen Auge vorspielt. Auch haben wir nicht wirklich irgend welche Stecker im Körper. Nicht körperlich.
Vielmehr ist dieser Film eine großartige Metapher. Denn auf geistiger, mentaler Ebene ist es genau so, wie der Film es zeigt: sehe ich die Menschen hier in der Stadt, dann sehe ich im Grunde das Selbe wie in meiner ganz persönlichen Lieblingsszene.  Dem „training program“ mit der berühmten „woman in the red dress“. Hier noch mal zum Auffrischen:

Genau diese Szene beschreibt unsere heutige Realität, die Gesellschaft und das System in dem wir leben. Und wie in der Matrix gibt es Menschen, die frei sind. Sehr wenige nur, irgendwo im einstelligen Promille-Bereich. Mehr dürfen es auch nicht sein oder werden, sonst wäre das System in Gefahr. Gegen uns Wenige wehrt es sich nicht, wir sind keine wirkliche Bedrohung. Die Matrix muß nicht einmal „agents“ schicken die uns bekämpfen, denn sie weiß, daß wir gar keine Möglichkeit haben uns in gefährlichem Ausmaß zu vermehren. Wir können andere nicht „unplug“-gen. Nicht, wenn der Stecker fest genug sitzt. Und genau darauf richtet das System sein Hauptaugenmerk: den Stecker möglichst fest zu verankern, die Programme möglichst fest und unlöschbar zu installieren. Droht ein Unterprogramm auszufallen oder abzustürzen, springen zwei Unterprogramme an, um es aufzufangen und zu ersetzen. Dafür haben wir eine Schulpflicht. Mindestens 10 lange Jahre hat das System Zeit, jeden Menschen zu sozialisieren, zu erziehen, gegebenenfalls umzuerziehen. Im Klartext: Die Programme und Unterprogramme, Routinen und Subroutinen, Knöpfe und Schalter zu installieren, die einerseits für das reibungslose Funktionieren sorgen, andererseits quasi per Knopfdruck erwünschte Reaktionen auf bestimmte Reize hervorrufen. Das Senden dieser Reize übernehmen dann die Medien.
Dabei werden die Programmierer und Systemadministratoren von Jahr zu Jahr effektiver. Trotzdem fallen immer mal wieder einzelne Menschen durch das Raster. Es sind Menschen mit einem ausgeprägten (geistigen) Bewegungsdrang. Die meisten Menschen halten still. Und wer sich nicht bewegt, spürt die Ketten nicht, wie ein gutes Sprichwort besagt. Zu viel Bewegung verhindert ein zu festes Installieren der Programme und der Knöpfe. Sie werden zwar installiert, bleiben aber wackelig.
Durch wiederholtes Testen und Abfragen können die Programmierer und Systemadministratoren natürlich feststellen ob und wie fest Programme und Knöpfe sitzen. Am Ende der Programmierzeit, bei Verlasen der Fabrikhalle Schule bekommt dann jeder eine Gebrauchsanweisung und ein Zertifikat mit auf den weiteren Weg. Dieses Zertifikat Zeugnis bestimmt nun über den weiteren Einsatz und die künftige Position in der Gesellschaft. Je besser die Programmierung, desto näher darf man der Mitte der Gesellschaft kommen. Wackelkandidaten, also bewegliche Menschen mit losen Programmen bleiben am Rand.
Es bedarf keiner „agents“ um das System zu schützen. Das tun die gut programmierten Menschen schon selber. In dem sie alles was „anders“ ist und es sich anmerken läßt, ausgrenzen, ausstoßen, aus ihrer Gesellschaft ausschließen. Sie haben dafür extra Begriffe: verrückt, unnormal, asozial, am Rande der Gesellschaft, Randgruppen, Außenseiter. Die Methoden sind alt und bewährt. Auch das wird im Film „Matrix“ perfekt auf den Punkt gebracht: „ignorance is bliss“
Ignorieren, Wegsehen, Weghören. Den drei klugen Affen huldigen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

affen

Alternativ existiert eine weitere bewährte Methode: Bloßstellung. Der / die / das „Andere“ wird bloßgestellt, lächerlich gemacht, ausgelacht, durch den Kakao gezogen. Diese Methode wird bereits während der Programmierungsphase Schule von den Programmierern unzählige Male erfolgreich angewendet. Das Ergebnis: die Angst, selber bloßgestellt oder ausgelacht zu werden sorgt dafür, daß die Menschen nun selber anfangen, Abweichler und „Andere“ lächerlich zu machen und bloßzustellen. Die Rechnung geht auf: das System schützt sich selbst. Sind die entsprechenden Mechanismen erst erfolgreich installiert, funktionieren sie meistens zuverlässig für den Rest des Lebens.
Das System läßt auch Menschen wie mich leben: draußen, am Rand. Vordringen Richtung Mitte ist unter der Prämisse der Anpassung durchaus möglich. Wobei das System sehr genau zwischen echter und vorgetäuschter Anpassung zu unterscheiden weiß. Kunst ist nun einmal etwas völlig anderes als Malen nach Zahlen. Freie Bewegungen unterscheiden sich sehr stark von marionettenhaftem Reagieren auf das Ziehen von Fäden. Marionetten mögen es zwar nicht erkennen, aber sie sehen und fühlen den Unterschied, das „andere“.

Neulich nachts hatte ich mal wieder ein interessantes „Gespräch“. So etwas habe ich manchmal. Wenn ich mich gedanklich sehr intensiv mit etwas beschäftige, tauchen plötzlich Gedanken auf, die nicht meine sind. Wie ein Dialog eben. Ich denke meine Gedanken und erhalte Antwort. Verrückt? Genau, schrieb ich ja schon.
Der Tenor des Gesprächs war eigentlich eine Bestätigung des hier Geschriebenen. Mein Gesprächspartner erklärte mir, daß das System nicht mein Feind ist. Es läßt mich doch existieren, tut mir nichts, bekämpft mich nicht. Es versucht nicht einmal, mir Knöpfe und Programme zu re-installieren.
“Höre doch endlich auf, gegen das System anzukämpfen, du tust dir nur selber weh. Wenn du mit dem Kopf gegen eine Wand rennst, tut es eben weh. Die Wand bricht davon nicht ein. Findest du es klug, der Wand nun die Schuld zu geben, daß sie dir weh getan hat? Findest du es vernünftig, es beim nächsten Mal mit Helm zu versuchen? Wozu? Die Wand ist da. Sie ist nicht dein Feind. Sie ist einfach nur da, das ist alles. So ist es auch mit dem System. Akzeptiere es und es hört auf weh zu tun. Es ist, wie es ist. Es ist so, weil die Menschen es so wollen. Ja, es programmiert die Menschen, aber sie sind es doch selber, die die Programme entwickeln und perfektionieren.
Du bist zu beweglich, also bewege dich. Aber lasse die anderen Menschen drin in ihrem Raster. Sie selber wollen und brauchen das. Wenn du an den Knöpfen von jemandem wackelst, der diese Knöpfe will und braucht, wundere dich nicht, wenn er sich dagegen wehrt.
Bleibe du beweglich, aber wisse: der Raum für Bewegung ist am Rand und außerhalb. Innerhalb der Gesellschaft, innerhalb des Rasters ist kein Platz für Bewegung. Willst du rein, mußt du dich an das Raster anpassen um Platz zu finden. Willst du das nicht, bleibe draußen. So einfach ist das. Akzeptiere es und es wird die besser gehen – leichter fallen.“

Ja, ich habe es endlich begriffen. Und ich will mein möglichstes tun, meinen Frieden mit dem System zu schließen. Es stimmt, es ist nicht mein Feind. Es ist einfach da. Für andere „Wackelkandidaten“ habe ich dieses blog. Frei nach dem Motto: Ist der Schüler bereit, wird der Lehrer ihn finden. An festen Knöpfen zu wackeln ist Verschwendung und teilweise selbstverletzendes Verhalten. Es ist immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl von Leichtigkeit und Wohlbefinden, wenn mir wieder mal ein paar Schuppen von den Augen gefallen sind. Wertvolle Erkenntnisse wollen geteilt werden: mit Allen, die daran interessiert sind.
Ich habe jetzt immer wieder vom „System“ geschrieben. Für alle, die sich fragen, was dieses System ist und die englisch können: hier eine Aufklärung von freedomainradio.com:

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Ein Drölf … ein kleiner Drölf

2009/06/12 · Kommentar schreiben

Immer wieder wird dieses blog auch mal über Suchmaschinen gefunden. Und es fasziniert mich immer wieder, wie viele Leute nach Drölf suchen. Fast täglich mindestens einmal. Und dann kommen diese armen, verzweifelten Suchenden auf mein blog, werden plötzlich  mit grausamen Texten zu schrecklichen Gedankengängen konfrontiert, sehen sich diesen schutzlos ausgeliefert und dabei wollten sie doch nur einmal einen Drölf sehen.
Ich kann das nicht mehr mit ansehen. Darum hier einmal für all die verzweifelten Drölf-Sucher: warum ihr auf eurer Suche nach dem Drölf ausgerechnet bei mir landet, könnt ihr hier sehen.
Eine Google-Suche nach „drölf“ ergab vorhin 21.500 Treffer. Dabei befindet sich mein blog auf Platz 5.  Außerdem kann man erfahren, daß Drölf zwischen 11 und 14 liegt -  oder auch, daß zfünf mal zfünf = drölf ergibt. Aber wie sieht Drölf nun aus? Hier eine kleine Hilfe: einige Darstellungen von Drölf:

droelf1

oder vereinfacht auch:

droelf2

Wer eine grafische Darstellung der alphanumerischen bevorzugt, soll aber auch bedient werden. Diejenigen unter euch, die schon mal von Sigillen gehört haben, oder sich mit solchen auskennen (aber auch die, die ein wenig mehr Phantasie als Michel Normalsterblich besitzen) werden es sicher richtig zu interpretieren wissen:

droelf4und noch eine weitere Variante, weil’s grad so schön ist:

droelf3So, ich hoffe, jetzt könnt ihr endlich alle finden, was ihr schon so lange so verzweifelt sucht. Die Bilder formten sich nachts, irgendwo zwischen Wachliegen und Halbschlaf vor meinem geistigen Auge. Begleitet von einem wunderschönen Gute-Nacht-Lied von Reinhard Mey, welches mein virtueller DJ., der in meinem Kopf residiert, dazu auflegte:

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Und willst du nicht mein Bruder sein, ….

2009/06/10 · Kommentar schreiben

…dann schlag ich dir den Schädel ein.
Dieses Motto des Kommunismus erobert jetzt auch unsere viel-gerühmte Demokratie. Zwar mit anderem Wortlaut, aber dem selben Sinn: „Demokratie ohne Demokraten funktioniert nicht“. Na, so was. Und wenn nun einmal das Wählen angeblich und nach offiziellem Glauben eine Demokratie ausmacht, und die Leute nicht wählen wollen, dann muß man sie eben zwingen. Also, immer her mit der Wahlpflicht. Ein weiteres, wunderbares Oxymoron. Die Pflicht, etwa zu wählen – der Zwang, ein Recht in Anspruch zu nehmen. Eine weitere äußerst seltsame Blüte der Schein-Demokratie. Aber passend zu dem Dreifach-Oxymoron „sozialer Rechts-Staat“.
Als eigentlicher Fan von Oxymora liebte ich schon als Kind das weit bekannte Gedicht(dessen etwas aufwändigere Version ich jetzt unbedingt mal los werden möchte):

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
lautlos brüllte die Natur,
als ein Wagen blitzeschnelle
langsam um die runde Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossener Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Und der Wagen fuhr im Trabe,
rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe,
gerade eine Turmuhr auf.
Ringsherum herrscht tiefes Schweigen
und mit fürchterlichem Krach
spielen in des Grases Zweigen
zwei Kamele lautlos Schach.
Und auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war,
saß ein blondgelockter Knabe
mit kohlrabenschwarzem Haar.
Neben ihm ‘ne alte Schachtel,
zählte kaum erst sechzehn Jahr,
kaute eine Buttersemmel,
die mit Schmalz bestrichen war.
Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume,
und an Nüssen noch genug.
Von der regennassen Strasse
wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
mächtig an den Ohren fror.
Beide Hände in den Taschen.
hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
wie nach Veilchen roch die Kuh.
Dieses dichtete der Goethe
als er eines Morgens späte
schlafend auf dem Nachttopf saß
und den Münchner Merkur las.

Als er laut denkend herausfand,
wie er seiner Wahlpflicht gar
im sozialen Rechtsstaat Deutschland
nachkommen konnte. Und zwar
durch das Ankreuzen mit roten
Blümchen in hellblauer Schrift
deren Tinte – trotz Verboten -
grün herausschießt aus dem Stift.

Danke, Herr Thießen, für die Inspiration der Fortführung dieses wunderbaren Gedichtes.

Schalten wir doch mal kurz wieder unser Gehirn ein und überlegen, wie sich eine Wahlpflicht durchsetze ließe. Die Antwort ist eigentlich klar: Gar nicht. Alles was sich durchsetzen ließe, wäre eine Pflicht, sich in eine Anwesenheits-Liste bei den Wahllokalen einzutragen. Soll die Wahl weiter geheim und frei bleiben, wird nichts und niemand kontrollieren können, ob jemand wirklich ein Kreuzchen auf den Zettel macht, oder gar mehrere Kreuzchen, oder ein paar schöne Bildchen malt.
Nein, nicht einmal eine Pflicht, sich in eine Anwesenheits-Liste bei den Wahllokalen einzutragen könnte man durchsetzen, denn es gibt ja noch Krankheiten, oder Ortsabwesenheiten aus wichtigem Grund, die den Gang zur Urne verhindern können. Klar, dafür gibt es die Möglichkeit der Briefwahl. Aber kann man vorher ahnen, daß man just am Wahltag von schrecklicher Übelkeit und Magenkrämpfen gebeutelt wird? Konsequenterweise müßte man dann noch eine Möglichkeit der Briefwahl NACH der Wahl einführen. Und wie lange setzen wir die Frist dafür? Könnte ja jemand gerade für längere Zeit verreist sein. Ach so, wir leben ja in einer Demokratie, also liegt die Lösung ganz nahe: Verbote von Reisen jeglicher Art, Ortsabwesenheit und auch von Krankheiten am Wahltag. Die angestrebte Wahlpflicht hat über jedem individuellen und persönlichen Recht des Einzelnen zu stehen. Und auch über jeder höheren Gewalt. Schließlich heißt es nicht umsonst: „Ich bin die Demokratie, dein Gott. Du sollst keine anderen Rechte haben neben mir.“

Übrigens, Herr Thießen: als braver und gut dressierter Bürger bin ich meiner (noch nicht vorhandenen) Wahlpflicht bisher immer nachgekommen. Will heißen, ich habe schon immer etwas auf die schönen Zettel, die mir zugeschickt wurden, gezeichnet. Mal einfarbig, mal bunt – mal mehr und mal weniger kreativ, immer ganz nach Lust und Laune am jeweiligen Tag. Werde ich auch weiterhin so handhaben.
Das Lustige dabei ist, daß ich mich dabei in einer Art Niemandsland bewege. Jemand, der seinen Wahlzettel ungültig macht, wird bei der Wahlbeteiligung als Beteiligter gezählt, trotzdem wird seine Stimme nicht mitgezählt. Warum soll ich meine Stimme denn auch abgeben? Ich brauche sie noch und ich benutze sie selber.
Vor diesem Hintergrund noch eine kleine Anmerkung: Die katastrophale Wahlbeteiligung von nur 43,3 % ist noch ein kleines bißchen kleiner. Bei diesen 43,3% sind nämlich 2,2 % ungültige Stimmen dabei, also ist die effektive Wahlbeteiligung gerade mal 41,1%. An dieser Stelle herzlichen Dank an eifrei, die auch die ungültigen Stimmen aufgelistet haben.

Leute, behaltet eure Stimmen, ihr braucht sie vielleicht auch noch mal. Wer seine Stimme abgibt, braucht sich nicht wundern, daß er anschließend nichts mehr zu sagen hat. Hach, ich liebe Wortspiele – fast so sehr wie Oxymora.

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